Dienstag, 7. Oktober 2014

Opfer der Globalisierung – heute: Bingen

Bingen am Rhein hat eine über zweitausend Jahre alte Siedlungsgeschichte. Nach den Kelten lebten hier die Römer und nach den Römern die Franken. Später lebte hier die berühmte Hildegard von Bingen. In Bingen beginnt das Mittelrheintal, direkt hinter dem Binger Loch, wo der breite Strom sich in einen engen Canyon zwängen muss, fängt die vom Touristen hochgeschätzte Rheinromantik mit Burgen und altertümlichen Dörfern an. Warum kamen in der Vergangenheit nicht die reiselustigen Briten und warum kommen heute nicht die Amerikaner? Warum legen alle Passagierschiffe an der gegenüberliegenden Rheinseite in Rüdesheim an, um sich wie tollwütig in die Gasthäuser der Drosselgasse und die Souvenirshops zu stürzen? Ganz einfach: „Binge“ heißt auf Deutsch Saufgelage und der „binge drinker“ ist der Komasäufer. Welches distinguierte Ehepaar aus Philadelphia und welche Studentin aus Oxford würde eine Ansichtskarte von einem Ort mit einem solch fragwürdigen Namen schicken? Natürlich betrinkt man sich hier mit dem köstlichen Rheinwein, aber man schickt doch keinen so offensichtlich vulgären Gruß nach Hause. Es gibt ja in Italien auch kein Reiseziel namens Bunga-Bunga. Mein Tipp an die Tourismusbehörde: Namen ändern und werbetechnisch in die Offensive gehen. Wie wäre es zum Beispiel mit „Rhinestone“?
Glen Campbell – Rhinestone Cowboy. http://www.youtube.com/watch?v=8kAU3B9Pi_U

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