Dienstag, 16. September 2014

Enten-Jubiläum

Im Jahre 1835 setzte die „New York Sun“ die erste große und bewusst geplante Zeitungsente der Mediengeschichte in die Welt – um am 16. September alles auffliegen zu lassen, nachdem man die Auflage gewaltig gesteigert hatte. Ein englischer Astronom namens John Herschel, der von der ganzen Sache jedoch nicht die geringste Ahnung hatte, habe mit einem neuartigen Fernrohr auf dem Erdtrabanten einen Mondwald, „eine gebirgigte Gegend von hoher romantischer Schönheit“ (wie es in der deutschen Übersetzung heißt) und Gewässer entdeckt. „Ein Strand von glänzend weißem Sande, umgürtet mit wilden, hochgethürmten und, dem Anscheine nach, grünen Marmorfelsen, (…) die Gipfel gekrönt und verschönt durch das hängende Laub unbekannter Bäume“. Und natürlich gibt es Leben auf dem Mond: „zahlreiche Heerden brauner Vierfüßler, die dem Aeussern nach vollkommen den Bisonochsen glichen, aber etwas kleiner waren“.
Und es werden geflügelte Wesen entdeckt ... „Wirklich waren sie menschlichen Wesen gleich, denn ihre Flügel waren nun verschwunden, und ihre Haltung im Gehen war sowohl aufrecht als würdig“. Und das Wunderteleskop offenbart noch mehr: „Sie waren ungefähr 4 Fuß hoch, waren, mit Ausnahme des Gesichts, mit kurzen, glatten, kupferfarbigen Haaren bedeckt, und hatten Flügel, welche aus einer dünnen elastischen Haut ohne Haaren bestanden, die hinten zusammengerollt von der Schulterspitze bis zu den Waden lag. Das Gesicht, welches von gelblicher Fleischfarbe war, zeigte eine kleine Veredlung gegen das des großen Orangutangs, da es offener und klüger aussah. (…) Wir benannten die Classe dieser Geschöpfe mit dem wissenschaftlichen Namen ‚Vespertilio-homo‘ oder ‚Fledermausmensch‘.“
Der große Mondschwindel ist ein Meilenstein der Mediengeschichte, die „New York Sun“ erreichte die höchste Auflage aller Zeitungen weltweit und viele Blätter rund um den Globus druckten die sensationelle Entdeckung eilig nach.

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