Montag, 18. August 2014

Uncle Sam’s

Gerade war ich für zwei Wochen in Berlin und habe natürlich alle wichtigen Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Und damit meine ich nicht dieses alberne Brandenburger Tor oder den hässlichen Reichstag, sondern meinen Lieblings-Inder, meinen Lieblings-Chinesen, meinen Lieblings-Griechen und so weiter. Alle sind noch da, bis auf meinen Lieblings-Italiener, aber das wusste ich schon bei meinem letzten Besuch im März. Damals war ich in der Woche vor Geschäftsaufgabe noch einmal dort und durfte als Stammgast kostenlos bestellen, was ich wollte. Meine Begleiterin und ich entschieden uns für eine gemischte Fischplatte mit allem, was der Koch am Morgen auf dem Markt ergattert hatte, und eine Flasche Rotwein, die uns vom Kellner empfohlen wurde. Tempi passati. Aber mit dem Piutrentanove (+ 39 ist die Vorwahl von Italien) in der Möckernstraße, Ecke Kreuzbergstraße habe ich einen würdigen Ersatz gefunden.
Eines Urlaubstages wollte ich zu meinem Lieblings-Burgerladen in Zehlendorf, Uncle Sam’s auf der Berliner Straße an der Kreuzung zur Clayallee. Eine Institution in Sachen korrekter Old School-Burger ohne modischen Schnickschnack und experimentellem Tralala wie marokkanischer Mayonnaise und burmesischer Brunnenkresse. Natürlich ist der Wirt und Burgerbrater ein waschechter Amerikaner, der seinen Job so liebt wie Spongebob. Und selbstverständlich gibt es in diesem Lokal seit achtzehn Jahren nur Burger, Pommes und Hot Dogs – alles andere wäre Quatsch.
Ich latsche also die Berliner Straße entlang und bereite mich mental auf einen High-End-Burger in entspannter Atmosphäre vor. Ohne Gourmet-Generve und Tischreservierung wie im Prenzlauer Berg, ohne die Kinderkacke der Großkonzerne wie Selbstbedienung, Alkoholverbot und drittklassige Burgersurrogate (ich bin doch nicht in Nordkorea!). Und was sehe ich: Uncle Sam’s ist weg. Verschwunden! Jetzt ist da so eine seelenlose Salat+Sandwich-Butze und einige Schritte weiter ein riesiger Burger-Tempel, der wohl Uncle Sam’s Stammkundschaft abgreifen will. Ich bin geschockt! Was ist passiert? Ist der Wirt nach Amerika zurückgegangen? Kommt demnächst ein McDonald’s an diese Stelle? Dann ist Schluss mit lustig, dann komme ich mit Semtex wieder, Toleranz hat Grenzen. Irritiert laufe ich ein paar Schritte weiter. Ich bin auf Burger eingestellt. Den ganzen Tag habe ich mich auf meinen Lieblings-Burger gefreut – und jetzt das! Gegenüber ist ein Italiener, um die Ecke gibt’s bei Krasselt eine exzellente Currywurst, eigentlich eine Topadresse. Nein, Burger muss es sein. Ich laufe zurück und schaue mir den Burger-Tempel und seine Speisekarte im Aushang näher an. Hey, es ist Uncle Sam’s mit seiner patentierten Burger-Matrix! Auf der horizontalen Achse die Burger-Größe und auf der vertikalen Achse die Beläge. Matrix statt Karte – bin ich hier richtig?
Vorsichtig betrete ich das Lokal und wähle einen Tisch im raucherfreundlichen Außenbereich. Ich frage die Kellnerin, was passiert sei. Man habe im März renoviert und sei umgezogen, die Burger seien aber immer noch die gleichen, auch der Wirt wäre immer noch da. Glücklich und erleichtert bestelle ich einen Dallas mit Käse und ein Weizenbier. Kurze Zeit später kommt der Chef, Mr. Clarence „Lee“ Mendenhall aus Idaho, an meinen Tisch und ich erzähle ihm meine Geschichte. Ende gut, alles gut: Uncle Sam’s Burger sind unschlagbar! Gott schütze diesen aufrechten Gastwirt! Gib dieser Stadt jeden Tag deinen besten Burger, Spongebob … äh Lee!
Die Fantastischen Vier – Troy. http://www.youtube.com/watch?v=TkvuDOB9XD4

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