Donnerstag, 3. April 2014

Der Häuble-Schitler-Vergleich

Jetzt ist es mir also auch passiert. Gerade eben beim Frühstück. Ich habe Vergleiche angestellt. Es fing eigentlich ganz harmlos an. Ich habe den Mittelstürmer unserer ruhmreichen SG Steyerbachtal, die dem aktuellen Tabellenführer am Sonntagnachmittag in heroischem Kampf auf dem heimischen Feld der Ehre ein 0:0 abgetrotzt hat, mit Christiano Ronaldo von Real Madrid verglichen. Schließlich spielen beide gerade eine erfolgreiche Saison. Dann habe ich anlässlich der im Mai bevorstehenden Bürgermeisterwahlen die Kandidaten verglichen. Und könnte man nicht Schweppenhausen mit einem Schlag auf die Weltkarte katapultieren, beginne ich zu träumen, wenn unsere sämtlichen Kampftrinker friedlich und in Uniformjacken ohne Kennzeichen die Wirtshaustische von Stromberg besetzen? Und ein Honigbrötchen später war es dann soweit: Der Hitler-Putin-Vergleich.
Ich bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Um mit Hitler verglichen werden zu können, muss Putin erst einmal Leistung zeigen. Auch wenn er eine gute Saison spielt – die Besetzung der Krim ist einfach zu wenig. Hat es da überhaupt Tote gegeben? Hitler hat den zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen, es gab fünfzig Millionen Tote, und noch heute feiern sie in Sachsen-Anhalt seinen Geburtstag! Hätte er nur das Sudetenland besetzt, wäre sein Name längst vergessen. Nein, einen solchen Vergleich muss sich Putin erst noch verdienen. Noch einmal: Leistung! Einen solchen Vergleich muss man sich erarbeiten. Um ins Geschichtsbuch zu kommen, muss der Blutzoll mindestens sechsstellig sein (Hitler: achtstellig!). Nehmen wir zum Beispiel George W. Bush. Der hat das geschafft. Und der ist nicht irgendwo in ein Nachbarland einmarschiert, der hat sich wenigstens was getraut: Irak und Afghanistan. Richtig weit weg und die Leute verstehen kein Englisch! Aber wie steht der Mann jetzt da: stabile Demokratien und blühende Landschaften an Euphrat und Tigris sowie im Hindukusch. Und der hat auch keine schwulen „Argumente“ gebraucht wie Putin. Der hat sich einfach irgendwelche Massenvernichtungswaffen ausgedacht und hinterher auch zugegeben, dass es nur ein Marketing-Gag war (wenn auch ziemlich makaber: Giftgasbomben, mit denen die Juden in Israel vergast werden sollten – aber medientechnisch natürlich eine Spitzenidee). Und dann Guantanamo: ein Vorbild in völkerrechtlicher Hinsicht. Ja, man könnte sogar Schulungen in Sachen Völkerecht in diesem Straflager auf Kuba veranstalten.
Im Augenblick würde ich Putin also noch nicht einmal mit George W. Bush vergleichen. Da ist leistungsmäßig einfach eine zu große Lücke. Vielleicht könnte man den Kremlchef auch mal mit Sigmar Gabriel vergleichen? Wie Siggi Pop wohl mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd aussehen würde? Die alte ostpreußische Provinzhauptstadt Kaliningrad harrt ihrer Befreiung! Mist, jetzt ist mir der Appetit vergangen.

Kommentare:

  1. Dein Umzug aufs Land hat deiner Texterei merklich gut getan. Sehr gut geschrieben, einer nach dem anderen.

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  2. Vielen Dank. Und von deiner Reise nach Regensburg lese ich auch sehr gerne. Bin nächsten Monat selbst in der fränkischen Schweiz.

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