Sonntag, 14. Februar 2010

Erbarmen, die Hessen kommen


Er hat die Lippen von Cosma Shiva Hagen und das Gemüt einer Bulldogge: Roland Koch. Jetzt also der Reichsarbeitsdienst reloaded. Gut, denke ich, dann schauen wir doch mal kurz aus dem Fenster. Sämtliche Gehwege vereist, die städtischen Angestellten wieder völlig überfordert, weil man schließlich nicht mit einem solchen Kälteeinbruch mitten im Winter rechnen konnte, Großmütterchen bewegen sich wie Eiskunstläuferinnen über das Geläuf, mutige junge Männer mit Steigeisen wagen sich an die Mittelgebirge, die sich zwischen Bürgersteig und Fahrbahn gebildet haben. Heraus mit euch, denke ich, hier müssen sieben Millionen Hartz IV-Empfänger einschreiten, Wege befreien, nötigenfalls das Salz aus dem eigenen Vorratskämmerchen opfern, um ihren Nachbarn den Weg zu Arbeit zu ermöglichen und auf diese Weise den Almosengebern mit ein wenig Dankbarkeit ihre jahrelange Großzügigkeit zu vergelten. Auch alleinerziehende Mütter werden herangezogen, derweil die Kleinen bei der Tagesmutter Teppichknüpfen lernen. Welch eine Vorstellung, welch süßer Honig von seinen sinnlichen Lippen. Leistung, raunt er mir zu. Leistungsträger, nicht Leistungsempfänger sein. So lautet des eisernen Rolands fürstliche Botschaft, gegen deren Feinde er die Zähne zu fletschen vermag, dass selbst die neoliberale Kratervisage schweigend beiseite treten muss.

Nachtrag, 21.2.10: So schnell holt die Realität diese Glosse ein. Outside-Minister Westerwave fordert Winterräumdienst von Hartz IV-Empfängern, in Berlin sind sie bereits zu Hunderten im Einsatz. Die Stadtreinigung hat für die nächste Woche noch ein paar hundert mehr bei den Jobcentern "geordert." Jetzt hilft nur noch Sonne!